{"id":57,"date":"2011-06-17T13:38:15","date_gmt":"2011-06-17T11:38:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lohmuehle-berlin.de\/blubb\/?page_id=57"},"modified":"2011-06-17T13:38:15","modified_gmt":"2011-06-17T11:38:15","slug":"antworten-und-tipps","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.lohmuehle-berlin.de\/blubb\/antworten-und-tipps\/","title":{"rendered":"Antworten und Tipps"},"content":{"rendered":"<p><span><em><a name=\"1\">Was machen Sie da?<\/a><\/em><br \/>\nWir leben hier ganzj\u00e4hrig. Wir sind 21 junge und junggebliebene Menschen mit Katzen, Hunden und Kaninchen, die viel Liebe,  Zeit und Geld in ihre Bauwagen, LKW und Busse investieren, um ein Leben fern von anonymen Mietsh\u00e4usern zu f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><em><a name=\"2\">Ist das nicht kalt im Winter?<\/a><\/em><br \/>\nSo wie manche Wohnungen gut isoliert und andere wiederum zugiger sind,  so unterscheiden sich auch die Wagen. F\u00fcr das Heizen  bin ich selbstverantwortlich. In meiner letzten Wohnung &#8211; denn wir haben  alle vorher in Wohnungen und H\u00e4usern gelebt &#8211; war  ich der Willk\u00fcr einer leider meist kaputten Zentralheizung ausgesetzt.  OK, wenn mein Ofen im tiefen Winter \u00fcber Nacht ausgeht,  wird es verdammt kalt. Der Gang zur Toilette kann auch sehr unangenehm  werden und manchmal pfeift es dort &#8222;arschkalt&#8220; um den Hintern rum.<\/p>\n<p><em><a name=\"3\">Womit bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?<\/a><\/em><br \/>\nWir sind ein umgefallenes Mietshaus, der stinknormale Durchschnitt der Gesellschaft: Angestellte, Arbeitslose, Selbst\u00e4ndige,  Sch\u00fcler und Studenten.<\/p>\n<p><em> <a name=\"4\">Wie kann man sich Ihre Gemeinschaft vorstellen?<\/a><\/em><span> <\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span>Die Antwort f\u00fcr hessische Touristen<em>:<\/em> Wir sind eine emanzipierte Gro\u00dffamilie auf freiwilliger Basis. Bei uns bringt jeder mal  das Leergut weg, ohne Plan und Maulen.<\/span><\/li>\n<li><span>Die Antwort f\u00fcr Charlottenburger<em>:<\/em> 1996 gr\u00fcndeten wir den Verein Kulturbanausen  e.V.. Ziel und Zweck ist die Vertretung der Interessen des Wagendorfs Lohm\u00fchle  als solche, sowie die Verbreitung und Aufarbeitung von Kultur, Kunst, \u00d6kologie  und Sozialem mit Fokus auf den Alt-Treptower Kiez. Jeden Montag treffen wir uns  im Plenum zur Lagebesprechung. Im Alltag pflegen wir eine freundliche Nachbarschaft:  Wir borgen uns beim Nebenbewohner Milch, unternehmen lustige Sachen zusammen,  organisieren Holz f\u00fcr unsere \u00d6fen und all so &#8217;n Kram.<\/span><\/li>\n<li><span>Die Antwort f\u00fcr Alternative und Politiker weltweit (auch Hessen und Charlottenburg)<em>:<\/em> Als charakteristisches Alternativwohnprojekt  haben auch wir die Wiederentdeckung des Gemeinsinns im Visier. Im  Gegenzug zu der wachsenden Anonymisierung innerhalb st\u00e4dtischer   Nachbarschaften erscheint uns eine Urbanisierung in d\u00f6rflicher Struktur  sozial sinnvoller. Neben dem sozialen Aspekt im Menschlichen   versuchen wir auch mit der restlichen nat\u00fcrlichen Umwelt sozial  umzugehen. Die Nutzung von Windrad und Solarenergie, ein geringer   Wasserverbrauch (wir haben kein flie\u00dfendes Wasser), biologische  Kl\u00e4ranlagen, unsere Regenwurmrennbahn, dem weitgehenden Verzicht auf   Braunkohle usw., sind der Versuch, partiell positiv Einfluss auf das  \u00f6kologische Gleichgewicht zu nehmen. Kulturell sehen wir uns als   Forum f\u00fcr K\u00fcnstler, Wissenschaftler und solche, die es werden wollen  oder wir machen einfach nette flauschige Caf\u00e9s und Kinos zu sozialen   Preisen. Wir betrachten uns als \u00f6ffentliches Projekt und hei\u00dfen G\u00e4ste  herzlich willkommen.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span><em><a name=\"5\">Ist bestimmt toll im Sommer&#8230;?<\/a><\/em><br \/>\nMeine Meinung dazu ist: Ich bevorzuge die \u00dcbergangsjahreszeiten. Wenn  die n\u00e4chsten Sommer so krank hei\u00df werden, wie der letzte, werde ich  in meinem Wagen dahinschmelzen wie ein zerlaufener Emmentaler &#8211; Dank  Dachpappe und zu wenig Schatten.<\/span><\/p>\n<p><em><a name=\"6\">Sah es hier schon immer so aus?<\/a><\/em><br \/>\nFr\u00fcher verlief hier der Mauerstreifen als kahle W\u00fcste. Die Begr\u00fcnung  kommt von uns. Teilweise haben wir unansehnliche Jungb\u00e4ume aus  den Best\u00e4nden der \u00dcberflussgesellschaft vor dem Schredder bewahrt.  Ansonsten hinterlassen wir fast ebenso viele Geldscheine in  Gartencentern  wie in Baum\u00e4rkten.<\/p>\n<p><em><a name=\"7\">Wo waschen Sie sich denn?<\/a><\/em><br \/>\nIn meinem Badezimmer nat\u00fcrlich. Ich wohne auf 22qm in meinem Wagen. Ich  habe eine Schlaf-, Wohn-, Arbeitsecke und eine K\u00fcche mit Sp\u00fcle.  Da stelle ich mich dran, schnappe mir einen Waschlappen und rubbele  Dreck ab. Wenn das nicht hilft, spring ich im Sommer unter unsere  Gieskannendusche oder bade bei Freunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tipps &amp; Tricks<\/strong>:<\/p>\n<p><strong> Ich will auch so romantisch in einem Wagen wohnen, was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n<p><span><em>Punkt 1:<\/em> Werden Sie sich bewusst, dass sich Ihre    so genannte Freizeit minimiert. Wir hier verzichten z.B. auf elektrische S\u00e4gen    \u2013 trainieren Sie zu Hause vor dem Spiegel schon mal Ihre Trizeps. Die    sind auch n\u00fctzlich f\u00fcr das regelm\u00e4\u00dfige Wasserschleppen,    das Immer-wieder-Wagen-ausbauen usw.<\/span><\/p>\n<p><em>Punkt 2:<\/em> Arrangieren Sie sich mit der Tatsache, dass Sie die Natur    mit all ihren Jahreszeiten bewusster mitbekommen werden. Trainieren Sie Ihren    Gleichgewichtssinn ebenso intensiv, wie Ihre Blase \u2013 bei spiegelglattem    Boden und frostigen minus 15 Grad Au\u00dfen- und Plumsklotemperatur wird der    Weg zur Toilette zum Abenteuer. Schlafen Sie auch schon mal vor; nach n\u00e4chtlichen    St\u00fcrmen, die am Wagen ruckeln, sehen wir morgens noch bescheuerter aus.<\/p>\n<p><em>Punkt 3:<\/em> Bauwagenw\u00e4nde sind d\u00fcnn \u2013 Umweltger\u00e4usche    dringen eher an Ihr Ohr als hinter dickem Mauerwerk. Desensibilisieren Sie also    Ihren Geh\u00f6rgang, indem Sie auf ein Gabba-Konzert gehen, in ein besetztes    Haus ziehen oder am Besten besetzen Sie zusammen mit vielen bunten Freunden    gleich selber eins.<\/p>\n<p><em>Punkt 4:<\/em> Reduzieren Sie Ihren Wasser- und Stromverbrauch, um schon    mal in \u00dcbung zu kommen. K\u00fcndigen Sie Ihrem Stromanbieter und Wasserlieferanten.    Besorgen Sie sich einen 20-Liter Wasserkanister und einen netten Freund mit    Wasseranschluss, der Ihnen \u00fcber die Durststrecke hilft. Basteln Sie sich    Solarkollektoren. Aber auch diese liefern zur sonnenarmen Jahreszeit oft nicht    genug Energie. \u00dcben Sie also bei Kerzenschein zu lesen oder versuchen Sie    mit einer 10-Watt-Lampe Ihren verschlampten Haust\u00fcrschl\u00fcssel zu finden.<\/p>\n<p><em>Punkt 5:<\/em> Befreunden Sie sich mit allerlei Tierarten. Wie das so ist    beim \u201eLeben auf dem Lande\u201c: Im Winter schl\u00fcpfen die M\u00e4use    gerne in unsere Innenw\u00e4nde oder Wespen und Hornissen versuchen ab dem Fr\u00fchjahr    unsere Au\u00dfenw\u00e4nde zu bev\u00f6lkern. Als Belohnung watscheln im Sommer    Herr Igel und Frau Ente durchs Geb\u00fcsch.<\/p>\n<p><em>Punkt 6:<\/em> \u00dcben Sie sich in horrorm\u00e4\u00dfiger Zukunftsfantasie    \u2013 indem Sie beispielsweise einer Rede unseres Bildungssenators lauschen.    Sie k\u00f6nnten jederzeit ger\u00e4umt werden und stehen dann vor dem Nichts.<\/p>\n<p><em>Punkt 7:<\/em> Trainieren Sie gelassene Schlagfertigkeit. Besuchen Sie ein    Seminar von Wiglaf Droste oder sonst wem, Hauptsache Sie lernen es, ahnungslosen    Menschen h\u00f6flich, aber bestimmt zu vermitteln, dass Sie nicht im Wagen    leben, weil Sie sonst obdachlos w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ich hoffe, das mit der bestimmten H\u00f6flichkeit ist mir hiermit gelungen.    Seien Sie sich gewiss, dass wir trotz einiger Umst\u00e4ndlichkeiten mit niemanden    tauschen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Ich verbleibe in Respekt vor Ihrem Leben, so wie ich es mir von Ihnen gegen\u00fcber    unserem w\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Babette<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was machen Sie da? Wir leben hier ganzj\u00e4hrig. 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